Hardangervidda Tour 2009 – Tag 1 bis 7

Die CC-30°C – Tour Hardangervidda 2009

Ende März diesen Jahres war es dann endlich soweit. Nach einigen Planungstreffen und diversen Materialverschickungen sollte es endlich losgehen. Acht mehr oder weniger junge Männer, die sich aufmachten, die eisigen Weiten des Nordens zu durchqueren. Einige davon erfahren, andere noch nie auf Skiern gestanden. Das konnte ja nur heiter werden…

Tag 1

Freitag, 20. März 2009

Abfahrt in Kiel

12:00h, Colorline-Terminal, so lautete der abgesprochene Treffpunkt und bei bestem Frühlingswetter trudelten dann auch nach und nach alle acht „Polarfahrer“ samt Ausrüstung im Kieler Hafen ein.

DSC_0006 Bene und Reuse hatten zu diesem Zeitpunkt schon die Strassentauglichkeit ihrer Pulkas bzw. der jeweiligen Rollvorrichtung testen dürfen auf dem Kilometer vom Hbf Kiel zum Fähranleger. Fazit: Teer = prima, Querrillen = schwierig, hoher Bordstein = bescheiden. Und ins schwitzen kommt man eh, zumal, wenn man schon die halbe Thermowäsche anhat.

Nach einigen Begrüßungsumarmungen und dem gegenseitigen Befummeln des mitgebrachten Gelöts ging es dann auf die Suche nach dem Weg zum Check-In. Autos waren wir ja keine, allerdings wohl auch keine normalen Fußgänger, was dazu führte, dass wir alle mit unseren Pulkas zweimal Rolltreppe fuhren, um dann doch vor dem Tor für die Autos zu enden.

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Und dann ging es auch schon los, Tor auf und die paar hundert Meter vor den Autos weg ums Gebäude auf den offenen Arsch der Color Fantasy zu. Kurz vor dem Schiff kam uns dann auch schon ein leicht hektisch wirkender Fähr-Aufseher mit Warnweste entgegen mit der Frage, was wir denn hier vorhätten, worauf wir ihm sagten, unsere Pulkas seien Fahrräder bzw. denen gleichgestellt, was er wohl nicht so wirklich glaubte aber angesichts unserer Entschlossenheit auch nicht weiter in Frage stellte.

Also rein ins Schiff und holter-polter die Rampe rauf ins Obergeschoss. Hier zeigte sich einmal mehr, dass Pulkas für Schnee und nicht für den Strassenverkehr gemacht sind. Murph flog an einer miesen breiten Querrille das Rollbrett ab, worauf dann mit vereinten Kräften die letzten Meter getragen wurde.

vidda die erste 09 263 Nachdem dann alle Pulkas in Reih und Glied geparkt waren, machten wir uns auf, das Schiff zu übernehmen. Die beiden 4er-Kabinen gefielen sofort dank kuscheligem Ambiente und 1a-Naßzelle. Der nächste Weg ging dann gleich mehr oder weniger geschlossen aufs Panorama-Deck, von dem man einen wirklich schönen Blick über Kiel und die Förde hatte, Verdammt hoch, so ne Fähre!

Und kaum hatten wir uns warm geplaudert, da ging es dann auch schon los. Gemächlich fuhr unser Klotz aus dem Hafen und die Förde entlang.

DSC02022Wie es auf Reisen so ist, bekamen nun auch schon die ersten Leute Hunger und freuten sich über die Burger-Bar direkt am Panorama-Deck. Das kulinarische Fazit danach fiel dann eher uneinheitlich aus. In jedem Fall war klar, dass eine Fähre kein Discounter ist. Alter Falter!

Glücklicherweise gelang es wenig später einer kleinen Gruppe von uns, den Duty-Free-Shop im Keller des Schiffes ausfindig zu machen und siehe da…die Palette San Miguel Dosenbier zu 11,- €. Der Abend war gerettet! Also gleich zwei davon gekauft und wieder ab an Deck.

vidda die erste 09 258

Im weiteren Verlauf des Tages kamen wir noch in den Genuß, die Öresund-Brücke bei Dämmerung zu passieren und Jackknife freute sich wie ein Schneekönig über ein High-Tech-Uboot, dass an uns vorbeifuhr. Das folgende Dinner beim Bord-Italiener war dann Anlass, die Burger-Bar doch nicht vorschnell abzuschreiben.

Beim Dessert-Bier an Deck wurde es dann auch schnell sehr schattig und die Daunenjacken wurden rausgekramt. Manch einer griff sogar zur Daunenhose. Nach und nach verabschiedete man sich dann ins Bett. Für einige war es ja schon ein langer Anreisetag nach Kiel gewesen. Nachts schaukelte es dann irgendwann recht kräftig und manch einer dachte im Stillen an Estonia, Titanic und Co.

Tag 2

Samstag, 21. März 2009

Ankunft in Oslo, weiter nach Rjukan

Oslo-Fjord

Der nächste Morgen begrüßte uns mit sonnigem, kalten und nebligen Winterwetter und dem Ausblick auf die verschneiten Hänge des Oslo-Fjords. Gemächlich zog unser Hochhaus an kleinen Dörfern und zahllosen felsigen Inselchen vorbei und trötete dabei in regelmäßigen Abständen so markerschütternd laut, dass einem fast die Ohren abfielen.

Zum FrühstückNach dem Zoll versammelte sich das Expeditionsteam im netten Bistro an der schiffseigenen Flaniermeile. Bei Kaffee Latte und Gebäck wurde über der Vidda-Karte gebrütet und mögliche Routen diskutiert. Wenig später ertönte dann schon die Lautsprecheransage „Next Stop, Oslo Ferry-Terminal“.

Nach einem wiederum nicht zu kurzen Fußmarsch mit Pulka im Schlepptau erreichten wir dann die Zollabfertigung, wo man uns erst misstrauisch, dann aber schnell wohlwollend begaffte und uns sogar trotz unseres Dosenbier-Vorrats durchwinkte.

2009 Odyssee in OsloNun war unser nächstes Ziel der Busbahnhof, wohin wir, oh wunder, mit dem Bus zu fahren gedachten. Leider hielt der Bus, den wir besteigen mussten zu kurz, damit alle mit Ihren Pulkas den Zustieg schafften, was dazu führte, dass Scholli, Bene, Jann und Tomlibre eine kleine Odyssee durch Oslo antraten, bei der sie für die ca. drei Kilometer zwei mal umsteigen durften. Aber als alte Globetrotter fanden wir natürlich bald wieder zusammen.

Da uns noch etwas Zeit blieb bis zur Abfahrt unseres Busses nach Rjukan, verkürzten wir uns die Zeit auf dem eher weniger gemütlichen Busbahnhof mit San Miguel und gegenseitigem Befummeln bzw. Sondierung der Schlafmöglichkeiten am heutigen Zielort Rjukan.

Und dann hieß es aucFummeln am Busbahnhofh schon einsteigen und los. Dank der doch recht gleichförmige norwegische Landschaft vor dem Fenster waren bald auch schon die meisten von uns weggedöst. Spannend wurde es dann noch mal, als es in Nottoden ans umsteigen ging und wir unter Zeitdruck versuchen mussten, unser Gelöt in den von englischem Rentnergepäck blockierten Frachtraum des neuen Busses zu stopfen. Was uns schließlich aber doch gelang.

Um ca. 18:00h, nach fünf Stunden Fahrt kam dann endlich Rjukan und der geschichtsträchtige Tinnsjo-See in Sicht, Schauplatz der im Film „Schweres Wasser“ erzählten Saboteursgeschichte aus WW2. Dem Busfahrer, der uns direkt vor unserem Gästehaus absetzte, dankten wir es mit 6 Dosen San Miguel, die er strahlend entgegen nahm.

Da waren wir also! Nach zwei langen Anreisetagen endlich am Ausgangspunkt unDas Gjestegard in Rjukanserer Ski-Tour. Nach einer kleinen Begrüßungs-Bierrunde und einigem Verständigungs-Wirrwarr mit der Dame des Hauses machten wir uns schließlich auf die Suche nach einem typisch norwegischen Restaurant. Und landeten beim örtlichen Chinamann, welcher aber durchaus lekker war! Zwischenzeitlich kam Angst auf, da einer von uns Ewigkeiten auf dem Lokus verschwunden blieb. Als gerade mögliche Bergungstaktiken diskutiert wurden, tauchte er aber wieder auf. Mit dem Handy in der Faust.

Wieder zurück am Gjestegard waren wir dann auch so platt, dass sogar die wildesten Partygänger unter uns die nette Einladung der beiden norwegischen Eiskletter-Mädels in den nächstgelegenen Pub ausschlugen. Was natürlich mit den hohen Bierpreisen hier erklärt wurde.

Tag 3

Sonntag, 22. März 2009

Erste Etappe, es geht los!

Am nächsten morgen erwartHeroes of the Telemarkete uns neben bestem Wetter auch noch ein leckeres Frühstück im Gästehaus. Das muß man sagen, da verstehen die Norweger etwas davon. Frisch gebackenes Brot und reichliche Auswahl!

Nachdem wir dann frisch gestärkt unsere Pulkas die ca. 150m aus dem Trockenraum vor die Haustür geschleppt hatten, kamen auch schon die am Vorabend georderten Taxen, um uns zur Gondelbahn auf die Hochebene zu bringen. Rjukan liegt in einem tief eingeschnittenen Tal am Südrand der Vidda und das hätte ohne Seilbahn gleich zu Beginn 800hm rauf bedeutet.

Schnell noch ein Gruppenfoto geschossPulkas in der Gondelen und ab ins Taxi. Die Wirtin hatte uns beim Auschecken noch einmal ermahnt, Respekt zu haben vor der Wildnis da draussen und vorsichtig zu sein, was schon ein bisschen nachdenklich stimmte.

An der Seilbahn angekommen hieß es erstmal noch warten, bis geöffnet wurde. Kurze Zeit später ging es dann aber schon los und nachdem wir einer norwegischen Familie mit Kind und vier Schlittenhunden vor der Kinderpulka den Vortritt gelassen hatten, stopften wir dann die Gondel voll mit unserem Krams.

Während wir nach oben schwebten war schnell klar, dass es eine gute Wahl gewesen war, dieses Teilstück nicht aus eigener Kraft zu bewältigen. Wir hätten wahrscheinlich gleich neben der Bergstation der Bahn unser erstes Lager aufgeschlagen.

Hardangervidda2009 009Der Blick aus dem Gondelfenster nach Süden über die verschneiten Berge und Flächen gab schon mal einen ersten Vorgeschmack auf die nächsten acht Tage, herrlich!

Nachdem alle ausgestiegen waren, ging es ans aufrödeln, Pulka klar, Gurt umschnallen, in die Skier und ab dafür! Die nun folgenden restlichen Höhenmeter bis aufs Plateau brachten den ein oder anderen gleich schon gut ins schwitzen, was aber auch an der zum Teil zu warm gewählten Kleidung lag. Beim Laufen ohne Wind braucht man nicht viel, auch wenn es unter null Grad hat.

Bald machten wir auch mit den knatternden und stinkenden Motorschlitten BeAufgerödelt und loskanntschaft, die uns noch öfter während der Tour belästigen bzw. manch einen auch retten sollten…aber dazu später mehr.

Oben angekommen, ging es nach einem Schluck Tee und kurzem Blick auf die Karte auch gleich los und zwar in die falsche Richtung. Irrtum schnell bemerkt und querfeldein wieder in Richtung richtiger Weg. Hierbei zeigte sich, dass die Fjellpulken den Paris-Sleds am Hang dank wesentlich besserer Spurtreue überlegen sind.

Das Wetter hielt leider nicht, was es versprochen hatte, bald fing es an leicht zu schneien und Wind kam auf. Bei unserem ersten größeren Raststop im WindParis vs Fjellpulkenschatten einer geschlossenen DNT-Hütte wurde es so auch schnell ungemütlich und die allgemeine Stimmung war eher trübe. Jeder hing seinen eigenen Gedanken und vielleicht auch Zweifeln nach. Daher war es eine Erleichterung, als es dann bald wieder weiter ging. Ach ja, bei der Abfahrt von der Hütte kamen uns aus dem Schneegestöber noch drei freundliche Norweger entgegengefahren, die sich nach der letzten Gondel ins Tal erkundigten. Sie hatten die ca. 130km von Finse hierher in nur drei Tagen zurückgelegt. Unglaublich! Naja, so eilig hatten wir es ja nicht.

BalUngemütliche Mittagspaused klarte der Himmel wieder auf und bei strahlendem Sonnenschein liefen wir durch die herrliche Winterlandschaft, bis uns die sinkende Sonne und auch die schwindende Kraft zum Lager machen nötigte. Schnell standen die vier Zelte und es wurden Mäuerchen aus Schnee geschaufelt, um Schutz fürs Kochen zu haben und dem feinen Schnee zu entkommen, den der stetige Wind von den Hängen um uns herab fegte. Es stellte sich heraus, dass trotz unseres zusammengewürfelten Haufens die Teamarbeit doch fast überall reibungslos funktionierte…eben alles Profis! 😉

Unser erstes Lager Begleitet vom surren der Kocher versank die Sonne hinter den Hügeln und nach dem Essen, gefolgt vom ein oder andern Schluck Rum, verkrochen sich dann bald alle in ihre Schlafsäcke.

Tag 4

Montag, 23. März 2009

Zweite Etappe, bis Kalhovd

Frühstück im SchneeUm ca. 7h am nächsten morgen wurden wir durch die ersten Sonnenstrahlen geweckt und der Blick durch den Zeltlüfter zeigte eine glitzernde verschlafene Winterlandschaft. Zwar wehte immer noch ein kräftiges Lüftchen aber es versprach ein schöner Tag zu werden.

Nachdem wir uns überwunden hatten, die kuschelige Wärme unserer dicken Daunen-Schlafsäcke zu verlassen und in die kalten Klamotten zu schlüpfen ging es dann gleich ans zusammenpacken bzw. Kocher klarmachen zum Schneesschmelzen. Zum Frühstück gabs Müsli oder Griesbrei, dazu Tee und Kaffee. Danach schnell noch die Thermos-Kannen für den Tag voll gemacht und dann ging Aufbruch von Lager 1es auch schon ans Pulka-packen.

Da die Temperaturen ja konstant unter der Null Grad-Grenze lagen, kam ein Expeditionsmitglied auf die Idee, seine Notdurft in der Apsis eines der Zelte zu verrichten…was dann gottseidank aber nicht zur Gewohnheit wurde. Wohl eher einzuordnen in die Kategorie :“was ich schon immer mal machen wollte“ als wirkliche Notwendigkeit. Das arme Keron 🙂 .

In der SpurUm etwa 9h waren dann alle soweit und es konnte angeschirrt werden. Diesen zeitlichen Ablauf behielten wir mehr oder weniger konstant über die ganze Tour bei.

Nach den ersten etwas steileren Aufstieg folgte dann auch bald die erste lange Abfahrt des Tages. Hierbei musste sich der Großteil von uns in Demut üben. Mangelnde skifahrerische Erfahrung sowie die bescheidenen Abfahrtseigenschaften von LL-Skiern sorgten dafür, dass viele von uns mehr als einmal die Grätsche machten. Spaß hatten trotzdem alle!

Das phänomenal gute Die SonnenbankWetter bescherte uns einen herrlichen Lauftag und Mittags legten wir an einer windgeschützten Stelle unterhalb einer Kuppe eine ausgiebige Rast ein. Es war so warm hier, dass wir uns vor unsere Pulkas in die Sonne legten und den großartigen Blick über die weite weiße Landschaft genossen. Wir nannten den Platz „die Sonnenbank“.

Im weiteren Verlauf des TageWasser!s kamen wir dann noch an einer Stelle vorbei, wo unterhalb einer kleinen (verschneiten) Staumauer ein Flüsschen zu überqueren war. Fließendes Wasser hatten wir hier bislang noch keines gesehen und empfanden es als willkommene optische Abwechslung. Nach einer kurzen Rast im Windschatten einer urigen Hütte liefen wir dann noch etwa 2 Stunden weiter, bis wir dann gegen 18,30h recht erschöpft die lange Abfahrt zur kleinen Siedlung Kalhovd erreichten.

Dort angekommen begaKalhovdnn eine Diskussion, wie es nun weitergehen sollte. Der weitere Weg führte von hier steil bergan und hier nahe der Häuser konnten wir unsere Zelte nicht aufstellen, weil verboten. Einige Mitglieder der Gruppe waren ausgepowert vom langen Tag und so entschieden sich sechs von acht, der Einladung des netten Wirtes in die behagliche Hütte von Kalhovd zu folgen, was sich im Nachhinein als der netteste Hüttenaufenthalt der Tour herausstellen sollte.

Die übrigen zwei erklommen keuchend den Aufschwung und suchten sich diAbendstimmung in Lager 2 e nächstbeste halbwegs ebene Stelle, um das Zelt aufzubauen. Da allerdings alles recht geneigt war, war noch einiges an Schaufelarbeit nötig und bis das Zelt endlich stand, war die Sonne in einem malerischen Abendhimmel hinter den Bergen versunken. Schnell noch gekocht, einen Rettungsschluck Rum gekippt und dann ab in die Falle. Ein langer aber auch sehr schöner Tag!

Tag 5

Dienstag, 24. März 2009

Dritte Etappe, Kalhovd – Marlbu

Ein sonniger neuer Tag begann und Reuse und Murph packten gerade noch ihr Gerödel zusammen, als auch schon der Rest des Teams am oberen Ende des Steilaufschwungs auftauchte. Ein knackiger Start in die Tagesetappe, da war der Kopf schnell wieder frei vom vorabendlichen Hütten-Bier.

In der ersten Tageshälfte ging es auf und ab zwischen den verschneiten Hügeln, bevor wir über eine längere Abfahrt auf den Mâr – See gelangten. Hier war es dann auch Zeit, eine gemütliche Mittagspause einzulegen und wiedermal bei strahlendem Sonnenschein.

Aufgrund mangelnder Deckung im flachen Gelände wurde die Pause dann auch noch zur erheiternden Studie über das Abortverhalten einzelner Teammitglieder, wobei hier von einer visuellen Dokumentation abgesehen wird  ;-). Nach einem, wegen der wenigen Abwechslung im Gehgelände mental eher ermüdenden Nachmittag schlugen wir unser Lager unweit der Hütte von Marlbu auf. Mitten auf dem See, was das Eingraben der Zelte nicht wirklich zuließ , aber für sehr ebene Standflächen sorgte.

Und als die Sonne dann hinter den Hügeln versank, konnte man quasi mit jeder Minute spüren, wie die Temperatur fiel. Es wehte kein Lüftchen und anscheinend hatten wir uns ein richtiges Kälteloch ausgesucht. Blick aufs Thermometer…  minus 20 Grad! Hossa! Daraufhin wurde erstmal ein gemütliches Sitzloch geschaufelt und Rum ausgeschenkt. Zehn Minuten später waren wir dann schon bei minus 25. Dank der völlig überzogenen Daunenbekleidung der meisten von uns (hätte auch gut für nen 8000er-Gipfelgang gereicht) ließ es sich aber prima aushalten und so feierten wir noch eine Weile die Kälte, bevor es dann ins Säckchen ging.

Tag 6

Mittwoch, 25. März 2009

Vierte Etappe, Marlbu – Grontjonndalen

Als wir am nächsten Morgen auf das Thermometer schauten, zeigte es eine maximale Minustemperatur von 29,7 Grad. Da hatten wir unserem Clubnamen ja fast die Ehre gemacht, alter Norweger! Gefroren hatte aber keiner und so ging es dann gut gelaunt auf die nächste Etappe.

Heute erwartete uns eine Aneinanderreihung von sanft ansteigenden Tälern und da wir tags zuvor beschlossen hatten, die Tagesleistung auf ein nötiges zu begrenzen, war es für die meisten ein entspannter Tag. Wohl gemerkt nicht für alle, da zwei von uns fast seit Beginn der Tour mit ihren Füßen, speziell den Blasen an den Hacken zu kämpfen hatten und es sich auch nicht wirklich zum besseren entwickelte. Da war sie nun, die Diskrepanz zwischen denen, die sich topfit fühlten und mit den Hufen scharrten und denen, die um das bloße Ankommen fürchten mussten. Wenn wir die Strecke bis Finse schaffen wollten, dann war klar, dass ein gewisses Pensum, etwa 15 – 18km pro Tag, zu machen waren, sonst würde die Fähre ohne uns gen Heimat schippern. Und berechtigterweise mahnten die Erfahrenen unter uns an, dass man ja bisher quasi optimalste Bedingungen gehabt hatte und wie man es denn erst bei Schietwetter schaffen sollte, Strecke zu machen, wenn es schon jetzt schwer war.

Nichts desto trotz waren wir ja aber ein Team und da ist man eben so schnell wie der Langsamste. Und da wir ja alle nicht mehr im Kindergarten sind, war der Konsens natürlich schnell gefunden.

Nach etwa 12km Tagesleistung machten wir Lager in einem hübschen kleinen Hochtal namens Grontjonndalen.

Tag 7

Donnerstag, 26. März 2009

Fünfte Etappe, Grontjonndalen – Rauhelleren

Der nächste Morgen war neblig und kalt und die aufgehende Sonne tauchte alles in ein stimmungsvolles Licht. Beim Frühstück war dann schlenn klar, dass unsere beiden Fußkranken die nächste Hütte auf unserem Weg, Rauhelleren, als Aussstiegspunkt nutzen wollten, da es einfach nicht mehr ging und die Hacken auch echt ekelig zugerichtet waren. Somit war dann auch unser Etappenziel für heute festgelegt, wieder nur schmale 12km. Einerseits wenig im Bezug auf unser Ziel Finse, andererseits freuten sich auch alle auf gemachtes Essen, Dusche und gemütliches Rumlungern bei Plusgraden.

Unser mittlerweile anvisiertes Ausweichziel Geilo, welches etwa 20 – 30 km gespart hätte wurde dann im Lauf des Tages wieder verworfen, bestand doch nun die Aussicht, die Laufleistung in den nächsten Tagen nach oben zu schrauben.

Die Strecke bis zur Rauhelleren-Hütte ging flott, meist bergab oder eben und so trafen die ersten schon kurz nach Mittag dort ein. Heute hatte sich das Feld wegen des fixen Ziels ein wenig auseinandergezogen und jeder lief sein eigenes Tempo.

Die rundliche Hüttenwirtin schaute etwas angesäuert, als Murph ihr eröffnete, dass wir nun da seien und auch echt Hunger hätten und was denn nun mit Lunch wäre, am besten flott. Sie erzählte ein wenig halbverständliches und Murph übersetzte dann wie folgt : Sie könne uns bald eine „Carbonade“ machen, was von uns wider besseren Wissens als eine Art Hackbraten ausgelegt wurde. Als es dann kam, handelte es sich um ne Scheibe Brot, Frikadelle druff, und ein Spiegelei drüber. Dazu Ketchup, mmhhh lecker! Aber im Ernst, es schmeckte wirklich gut, nur war die Portion leider nicht ernstzunehmen. Da die Wirtin aber schwer beschäftigt war mit saubermachen etc. traute sich keiner nach einer zweiten Portion zu fragen.

Danach gingen einige gleich Duschen, was ein herrliches Gefühl das sein kann! Der Rest lümmelte sich schon mal auf die Sofas im gemütlichen Aufenthaltsraum und schmökerte in den recht amtlichen norwegischen Outdoor- und Jagdmagazinen, die hier zuhauf rumlagen.

Draussen wurde das Wetter zunehmend garstiger und ein kräftiger Wind fegte den Schnee nur so um die Hütte, so dass der Gang zum Waschhaus zum ungemütlichen Unterfangen wurde. Da wir ja aber schön im warmen hockten, war uns das egal und selbst die Erkenntnis, dass Holländer anscheinend Kufa drunter tragen konnte die Stimmung nicht trüben. Bei Bier und Onkel Toms wilden Geschichten aus seiner Söldnerzeit verbrachten wir den Abend, bevor wir uns auf unsere zwei 4-Bett-Zimmer verkrümelten.

Bald gehts weiter…

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