Schweden – Härjedalen März 2010

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Dann doch Schweden! Die ursprüngliche Idee von Sven und mir war ja Elbsandstein-Gebirge. Einfache An- & Abreise, geringe Kosten und schön solls da ja auch sein – ich war ja noch nicht da.
Dann kamen die Überlegungen, doch n richtigen Winter? Vidda? Troll Loipe? Lappland kam leider nicht in Frage, da wir nur 9 Tage hatten…
Entschieden haben wir uns dann relativ spontan für Funäsdalen als Start und Ziel. Also schnell alles gebucht!
Nun kam die Routenvorbereitung:
Wir haben also 6 Tage, das sollte doch für eine schöne Rundtour reichen.
Ein längerer Blick über die Karte sagte dann, dass es eine Tour runter zum Rogen und dann im Bogen wieder rauf werden sollte. Wenn wir perfekte Bedingungen haben sollten könnten wir auch noch nach Norwegen rein, nach Rövollen am Femund, und von da wieder hoch laufen. Soweit die Theorie…

Abfahrt Freitag nachmittags vom Hamburger HBF, Ankunft Samstag gegen 18:00 Uhr in Funäsdalen.
An der Busstation gab es letztes Jahr ein kleines Wartehäuschen. Da wollten wir uns dann umziehen und gleich loslaufen.
Ok, war vielleicht ein bisschen euphorisch…jedenfalls wurde der Bushalteplatz gerade umgebaut und das Häuschen war nicht da. Und dunkel wurde es auch.
Nach kurzer Überlegung ging es dann ins Hostel. Schnell bei ICA noch zwei Hülsenfrüchte und ein paar Leckerlies und den Abend in der Küche verbracht.

Tag 1.
Am nächsten Morgen gings es dann endlich los. Runter auf den Funäsdalsjön, rüber und dann den Hang durch den Wald rauf auf die Scooterspur. Tja…äh…wo gehts denn hier hoch??? Ein langes kreisen im Tiefschnee, wieder ein Stück absteigen, nächste Forststraße hoch, ups, Sackgasse…
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Oder warte mal, da vorne ist vor einiger Zeit jemand in den Wald gelaufen…hm… das ist ja unsere Richtung…also los.
Schnell stellte sich heraus, dass unser weiterer Plan hier irgendwie querfeldein laufen zu wollen nix werden würde: Pulver, locker 70cm Pulver, null Halt, man sackt einfach durch. So einen Schnee hate ich noch nie erlebt.
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Auf der alten Spur kamen wir dann auch genau an unserer gewünschtes Ziel. Erstmal ne ordentliche Pause.
Aber was nun? Von hieraus kommen wir querfeldein nicht weg… Wieder ein Blick in die Karte: Dann laufen wir jetzt nach Tännäs und biegen da wieder ab auf eine route über Fjällnes nach Tänndalen.
Der Weg Richtung Tännnäs war sehr easy, Lopie :? Absolutes Harzfeeling: Nadelbäume und Loipe.
Für Sven war das aber erstmal super, er war ewig nicht mehr mit Ski unterwegs und musste sich eingewöhnen.
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Bald stellten wir uns aucch die Frage, wie wir in dem Schnee überhaupt das Zelt aufgestellt bekommen sollten??? In der Karte war eine Schutzhütte verzeichnet, genau am Wegesrand, mal schauen.
Perfekt! Genau zur richtigen Zeit am Wegesrand steht eine kleine, nette Hütte mit Feuerholz.
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Das hatten wir uns nach dem Aufstieg auch verdient und ich war heilfroh, dass wir das Zelt nicht aufstelllen mussten.
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Tag 2.
Wir waren gestenr beide ziemlich müde und haben auch schnell geschlafen.
Die Hütte war so gut isoliert, dass es sogar über Nacht ziemlich warm blieb. Die Aussentemperaturen waren aber auch nicht doll, so max. -10°, eher -8°.
Also Frühstück, packen, los.
Weiter ging es auf der Loipe durch eine schöne Wald- und Moorlandschaft. Es wurde ziemlich warm und wir liefen bald ohne Jacken.
Am Ortseingang von Tännäs bogen wir dann rechts ab und kamen dann auch genau da an, wo wir es erhofft hatten.
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Pausen sind in der Sonne am schönsten!!!
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Jetzt wurde aus dem Harzfelling langsam ein Fjellfeeling ;-)
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Dichter Wald mit Scooterspur und es gin locker 2,5 wenn nicht 3 Stunden Bergauf *ächs* Mit dem Weg waren wir uns nicht 100% sicher. Im Wald ist mäßig mit Orientierung und es gab doch mehr Wege als in meiner – zugegeben ziemlich alten – Karte verzeichnet waren.
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Nach zwei Pausen kamen wir auf einen herrlichen Bergrücken, wo wir mit leichtem Sturm und Sonne und Pulverschnee empfangen worden. Es war super!
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Einige Fotos mussten geschossen werden und ich wollte eines von eine Schild haben und trat mit Ski 20cm neben die Spur. Rums, ich war weg. Der Schnee war auch hier so locker, dass ich einfach 60cm tief fiel! Naja, das Pulkagestänge tut dann doch ein wenig weh, wenn man drauf fällt, aber viel ätzender waren die Folgen des Gurtes: alle Klamottenschichten wurden hochgeschoben und es landete eine ordentliche Ladung Pulverschnee in meiner Hose *BÄÄÄÄH*
Das Foto ist trotzdem was geworden…
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Jetzt gings es wunderschön runter und wir hatten wieder eine eingezeichnete Schutzhütte angepeilt.
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Wir fanden auch eine, aber irgendwie sah das in der Karte alles komisch aus. Die Route kam von einer anderen Seite im Bogen, das Häuschen neben Der Hütte war nicht verzeichnet. Laut Topographie mussten wir richtig sein, aber ich war doch ziemlich verunsichert! Aufgrund des Schnee- und inzwischen auch Windverhältnisse haben wir nicht ernsthaft drüber nachgedacht zu zelten, also ab in die Hütte.
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Tag 3.
Nach dem Frühstück wollte ich mir gerade eine Stelle suchen wo man sein Geschäfft verrichten kann als ein Scooter vorfuhr.
Schnell kamen wir mit Hendrik ins Gespräch. Er betreibt die Hütte daneben als kleines Fjellrestaurant, absolut empfehlenswert. Wir erzählten, dass wir uns ein wenig Holz unter seiner Terrasse genommen hätten und fragten was wir ihm dafür schulden. Nix, stattdessen wurden wir erstmal auf einen Kaffee eingeladen. Wo wir schonmal einen Local hatten fragte ich ihn gleich zum Standort auf der Karte und zur Route. Standort war richtig, puh…Selbstbewusstsein wieder hergestellt :mrgreen:
Mit der Route war er sich nicht sicher und fing deshalb erstmal an 10min zu telefonieren. Das Ergebnis war super:
1. meine Karte ist alt, ja, ich weiß :motz:
2. die geplante Route wird seit Jahren nicht mehr markiert, Mist
3. es gibt eine markierte aber nicht verzeichnete Route im nördlichen Rogen Naturreservat zur Skedbrostugan, PERFEKT!
im weiteren Gespräch erfuhren wir, dass sie seit Ewigkeiten nicht mehr solchen Schnee hatten. Wir sind uns nicht ganz sicher ob er seit 15 oder sogar seit 50 Jahren gesagt hat. Aber es waren wohl doch 50 Jahre, denn er erzählte, dass ihm das erzählt wurde und er war über 15, aber unter 50 ;-)

Gegen 10:15 Uhr gings dann endlich los.
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Wind ohne Ende – daran gewöhnten wir uns langsam – aber auch Sonne! Das ist doch mal was!
Wir liefen Richtung Süden über Käringsjövollen und Käringsjön in die Seenlandschaft des nördlichen Rogengebiets. Tolle Etappe!!
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Abends bauten wir dann endlich mal das Zelt auf. Es war relativ mild und ich war mit nicht sicher ob wir alle Heringe brauchen.
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Zum Glück haben wir sie alle benutzt, denn in der Nacht kam wieder ein Wind auf, meine Fresse!!! Bei stärkerem Wind stellte sich dann auch raus, dass wir genau nicht im Windschutz standen :roll:
Naja, das Hallo von Nilleberg ist aber ein ganz vernünftiges Zelt – ich sollte mal einen Testbericht im WB schreiben :oldman: – und so hatten wir eine gemütliche und laute Nacht.
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Tag 4
WIND LASS NACH!!!
Denkste.
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Aber trotzdem ein schöner Morgen!
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Also Frühstück aus der Thermos und los. Die Route führt im wilden Zickzackkurs über die Seen und Moorflächen, was zu einigen extra KM führt. Zusammen mit dem Gegenwind eine sehr nette, aber auch anstrengende Etappe. Nach ca. 2 Stunden machen wir erstmal in eine geschützten Bucht Pause, schmelzen viel Schnee und futtern und trinkenn ordentlich. Der wind wird leider nicht weniger, dafür wirds wärmer und der Schnee fängt an zu pappen :motz:
Die Strecke zur Skedbrostugan zieht sich ganz schön. Aber wir erreichen sie ohne Verluste ;-)
Die Hütte steht auf einem kleine Hügel am See und wenn wir dachten wir hätten bis jetzt starkken Wind gehabt…Hier war es eher ein ausgewachsener Sturm!!!
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Man beachte die Fahne an der Hütte!
Also Pause in der Stuga. Der Ausblick geht gen Westen über einen See und Gebirge. Das alles in Sonne und -dank der Fensterscheibe – Windstille. Super!
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Aber irgendwann mussten wir ja mal wieder raus… Eine kurze und knackige Abfahrt führt auf den See, sehr zu Svens Freude – er liebt Abfahrten! Je steiler und länger desto besser!!! :ignore:
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Am morgen war ein Skiwanderer mit Pulka die gleiche Strecke gelaufen und hatte sich schon ordentlich durch die Schneewehen gekämpft. Leider war das keine große Hilfe, denn aufgrund des Sturms waren die Verwehungen alle wieder da.
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Jetzt kamen wir in eine Landschaft aus Hügeln mit Krüppelbirken und Seen. Tagesziel war eine kleine Schutzhütte, an der ich im letzten Sommer vorbei gewandert war.
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Genau hinter der Hütte ist ein knackiger Aufsteig von mehreren hundert Metern und dann gehts ins Kahlfjell, da wollte in einem Rutsch durch bei dem Wind!
Bald waren wir im Windschatten und es wurde angenehm warm. Kurz darauf zogen wir auch die Jacken aus, leider nur für ein paar hundert Meter, dann waren wir wieder im Wind und es wurde ziemlich ungemütlich. Der Wind war die ganze Tour über echt ätzend. Da es zusätzlich sehr warm war mussten wir eigentlich immer die schweren Jacken tragen was besonders bei mir wiederum zu ordentlichem Schwitzen führte und dann kam wieder der blöde Wind…
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Durch die Wärme änderte sich auch zunehmend der Schnee: Aus pulvrig locker wurde jetzt ein immer schwerer, nasser Schnee, der auch gerne am Ski stollte.
Auch diese Strecke zog sich dann ordenltich hin, linksrum, rechtsrum, über einen See, über ein Moor, über einen Hügel und rechtsrum, linksrum… Da die Schnell wieder weg war und der Wind ordentlich bließ zerrte das ein wenig an den Nerven. Aber nun war sie endlich gefunden! Die kleine Nothütte. Fast zu eng für zwei zum Schlafen, aber nach 23km im stollenden Schnee mit Gegenwind hatte auch keiner mehr Lust das Zelt aufzustellen. Ausserdem war es sehr warm und wir fürchteten viel Nässe im Zelt. Sven war total platt und so übernahm ich den Kochdienst und schmolz diverse Liter Wasser zusammen, machte Tee, Xenofit und Asia Nudelsnacks -imo einer der besten Wintertourensnacks! Schnell schliefen wir ein.
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Zum Glück lassen die Deutschen nie Ihren Müll liegen :roll:
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Tag 5
Früh morgens musste Sven dann mal vor die Tür meinte es sei endlich wieder etwas kälter geworden, klasse!
Als wir dann aber aufstanden tropfte es schon über all in den Bäumen und am Hüttenvordach – wir hatten den Ofen nicht geheizt! Ein reichhaltiges Frühstück, die Thermos voll mit heißem Wasser und Tee und los ging es an den Aufstieg. Und der war mindestens so steil wie befürchtet! Aber hier kam uns jetzt der stollende Schnee super zur Hilfe. Selbst mit der Pulka konnte ich fast senkrecht den Hang hoch latschen und so waren wir innerhlab von 30min oben :shock:
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Endlich auf dem Plateau. Hier hat man einen ca. 290° Rundumblick, naja, wenn man mehr als 50m Sicht hat… Der Schnee stollte dermaßen, es war zum Kotzen! An Svens Ski war es nicht ganz so doll, aber bei mir konstant auf 3/4 der Länge und mindestens 3-4cm hoch. Manchmal viel höher, sodass ich mehrfach das Gefühl hatte umzuknicken!
Nach einigen KM sagte Sven bei ihm stolle nix mehr; also Messer raus und runtergekratzt die Sch….
Und jaa, gleiten!!! Was ein tolles Gefühl!!
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Jetzt kam eine mehrere KM lange sanfte Abfahrt, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Leider war die Sicht dermaßen bescheiden, dass man keine Bodenwelle und nix erkennen konnte. Sven hat dann bald abgeschnallt, ich tlw. auch weil es einfach keinen Spaß machte. Vorher hatte er sich wohl den Knöchel ganz ordentlich gestoßen.
Dann gabs erstmal wieder eine lange Pause im Windschatten eine Hütte. Die weitere Abfahrt war der Hammer!!! Runter, runter, runter. Für ich ein tierischer Spaß, Sven musste laufen…
Irgendwann waren wir dann auf dem Tänndalsjön angekommen und es ging auf der Scooterspur Richtung Funäsdalen. Nach einigen KM sollte am südlichen Ufer noch eine Schutzhütte stehen, das sollte unser Tagesziel sein. Bald kamen wir in eine Region mit viel Overflows. Wir versuchten die Fläche zu umlaufen um zur Hütte zu kommen. Schien auch ganz gut zu laufen, bis ich plötzlich knöcheltief im Wasser stand :shock:
Also Rückzug und weiter auf der Spur. Die führte auch bald aufs Festland durch einen herlichen Wald. Allerdings kamen zu der Zeit unmengen Scooter vorbei, sodass mir bald der Schädel dröhnte. Nach ein paar KM bogen wir dann auf eine kleine Straße ab, die uns wieder zum See führen sollte.
Das tat sie dann zum Glück auch und wir fanden eine wunderschönen Platz auf einer kleinen Landzunge für die letzte Nacht. Wir brauchten nur erstmal einen Augenblick um uns dessen bewusst zu werden.
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Ich übernahm wieder den Kochdienst und bald saßen wir im Zelt und futterten. Drytech ist einfach geil!!!

Tag 6
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In der letzten Nacht war es dann endlich noch mal ein wenig kälter geworden und wir hatten einen wunderschönen Morgen. Endlich mal nahezu windstill, Sonne und einen Blick auf die Eisfischer. Das wurden dann gleich drei Becher Kaffee ;-)
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Bei bestem Wetter gings dann auf die letzte Etappe über den See.
Fische verboten!!!
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Bald Bogen wir in den Wald ab, eine markierte Scooterspur auf der aber kein Scooter fuhr ;-)
Die Ansteige waren ein wenig kniffelig, da der nasse Schnee von gestern nun eher die Konsistenz Eiswürfel hatte… Aber der Weg war super!
Wir aber an jedem Tag kam auch bald wieder Wind auf, wenigstens blieb diesmal die Sonne bis nach Funäsdalen am Himmel!
Für die letzten KM waren wir wieder auf der Loipe, die wir schon vom ersten Tag kannten. Auch hier ging es in phantastischen Abfahrten runter.
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Noch eine Pause und wir waren wieder in Funäsdalen. Ab zum Hostel und unter die Dusche, Bierchen und so schwebten uns vor.
Aber denkste: Hostel ausgebucht, ich bin also los zur Touristinfo, kein freies Bett mehr Funäsdalen :shock: Die attraktive junge Frau in der Info rief dann noch in mehreren Unterkünften in Östersund an, es ging ja noch ein Bus. In der 4 (?) gab es noch Einzelzimmer zu je SEK 450,-… Und da viel mir ein, dass der bus ja durch Tännäs fährt und dass ich in der Karte ein Hostel gesehen hatte. Bingo!
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Noch 2 Stunden auf den Bus gewartet und dann ab ins wirklich hübsche Tännäs in eine sehr schöne Fjellstation.
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Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Östersund. Lange aufenthalt dort, aber den haben wir uns mit einem Besuch den Woolpower Faktoryoutlet versüßt ;-) und mit vieeel Essen!
Alte Strickmaschine
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Und dann ist die Rückkehr ja auch immer wieder ziemlich toll!!!
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Fazit:
Tolle Ecke für eine Tour! Jedem zu empfehlen, allerdings sollte man in Tännäs einsteigen. Da gehst gleich direkt auf die Spur und man muss nicht erst stundenlang suchen. Auch ist man gleich im Fjell und nicht im Harz ;-)
Einzige Manko an der Tour: Das Wetter! Feucht, kühl und viel zu viel Wind. Das war die wärmste Wintertour, auf der ich je war und das war schon ganz schön unangenehm. Ich hatte die gleichen, sogar die selben Klamotten an wie letztes Jahr in der Vidda und es war echt ungemütlicher, obwohl es locker 10 bis 20° wärmer war!!!
Naja, Svenno als Tourenpartner… war super! Jederzeit gerne wieder!

Und Trolle gibts doch in Schweden und einen Elch haben wir auch gesehen!!!